16:09 Uhr | 07.09.2010 StartseiteStartseiteKontaktKontaktImpressumImpressumSitemapInhaltsverzeichnis
 
























News
08.10.2009, 10:52 Uhr | Übersicht | Drucken
Bedeutende Ausstellung Georges Vantongerloo ab 9. Oktober 2009 in Duisburg
„Die Georges Vantongerloo Ausstellung ist ein Glanzlicht zum Abschluss des Wirkens unseres engagierten Museumsdirektors Prof. Dr. Christoph Brockhaus“ unterstreicht Kulturdezernent Karl Janssen begeistert die Bedeutung der aktuellen Ausstellung

Für eine neue Welt: Georges Vantongerloo (1886 – 1965)

und seine Kreise von Mondrian bis Bill



 

Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum – Zentrum Internationaler Skulptur, Duisburg und des Gemeentemuseums, Den Haag.

 

 

 

Georges Vantongerloo (1886–1965) zählt zu den großen, gelegentlich immer noch verkannten Pionieren der Moderne, der konstruktivistischen und der konkreten Kunst. Als konkreter Utopist suchte er in Skulptur und Malerei, Zeichnung und Fotografie sowie Interieur, Architektur und Städtebau nach avantgardistischen Ausdrucksformen eines neuen Lebensgefühls und einer humaneren Gesellschaft.

 

»Für eine neue Welt« würdigt erstmals in Form einer umfassenden Retrospektive anhand von 140 Werken des Künstlers, reichhaltigem Dokumentationsmaterial und 60 Werken von 30 Zeitgenossen von Mondrian bis Bill die herausragende Bedeutung Vantongerloos für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung, die die Vielfalt des künstlerischen Werkes in spiralförmiger Raumfolge und in weitestgehend chronologischer Folge präsentiert, spannt einen Bogen von Vantongerloos ersten abstrakten Werken, die in den Niederlanden ab 1917 entstanden, bis zum universellen, energetischen Spätwerk der 1960er Jahre.

 

 

Zur Ausstellung in Duisburg

 

Das erste Ausstellungskapitel im Wechselausstellungsraum der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Musuem zeigt Skulptur und Malerei der Jahre 1917 bis 1921.  Die schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges und die Begegnungen mit den De Stijl-Künstlern Theo van Doesburg und Piet Mondrian lassen Vantongerloo sein zunächst figuratives Frühwerk schnell vergessen. Im Jahr 1917 gehört er zu den Unterzeichnern des ersten Manifestes der Künstlerbewegung De Stijl. Beeinflusst von den Debatten der niederländischen Künstler und theoretischer Werke wie der philosophischen „Ethik“ Baruch de Spinozas widmet er sich in immer neuen Ausdrucksformen und Materialien dem Raumthema. Zu dieser Zeit entstehen die ersten abstrakten Skulpturen, etwa Vantongerloos „Komposition aus dem Ovoid“ (1918). Auf die abstrakten Skulpturen und Gemälde dieser Zeit folgen schon ab 1919 architektur- und städtebaubezogene Werke, die im zweiten Bereich gezeigt werden. Erste Gedanken zu einer idealen Stadt entwickelte Vantongerloo in einem Brief an Piet Mondrian vom 7. Juli 1920 und äußerte darin seine Idee für eine „Stadt nach der Neuen Gestaltung“. Über viele Gestaltungsansätze der De Stijl-Künstler hinausgehend, leitet Vantongerloo aus der „Neuen Gestaltung“ auch eine Neustrukturierung der Gesellschaft – eine universelle „interkommunistische“ Stadt – ab.

In den folgenden Jahren widmet er sich in immer neuen Varianten den Entwürfe für Interieurs, Brücken (etwa dem Brückenprojekt für einen Verbindungsbau der Schelde-Ufer in Antwerpen, 1928) und Flughäfen: 1928 entwickelt er drei innovative Flughafentypen, die einerseits konkret ausgearbeitete architektonische Entwürfe, andererseits autonome Skulpturen darstellen.

 

1931 gründete Georges Vantongerloo gemeinsam mit den Künstlern Theo van Doesburg (der kurz darauf stirbt), Naum Gabo, Auguste Herbin und Antoine Pevsner die internationale Künstlerbewegung Abstraction–Création in Paris, bei der er eine führende Rolle einnahm. Kontinuierlich der Entwicklung seiner Zeit und seinen künstlerischen Konzeptionen auf den Grund gehend, lautet seine große Vision: »Pour le nouveau monde.« Die Malerei bis 1931 erinnert zunächst noch an die Werke van Doesburgs und Mondrians. Mit der Zeit entwickeln sich die künstlerischen Standpunkte jedoch auseinander, Vantongerloos Gemälde werden freier in der Farbwahl und Komposition. Ab 1937 entstehen die ersten Gemälde mit farbigen Kurvenlinien, die frei vor einem weißen Grund schweben.

 

Lebenslanger Künstlerfreund Vantongerloos wird Max Bill (1908– 1994), der mit ihm 1933 in Paris ausstellt und über die Jahre zu seinem Förderer wird. In den beiden Nachkriegsjahrzehnten bis zum seinem Tod 1965 löst sich Georges Vantongerloo mit seinen Draht- und Plexiglasskulpturen nach 1945 weiter von der Kernskulptur. Herausragende Beispiele präsentiert die Ausstellung im Glaserker im Foyer des Wechselausstellungsraumes. Seine Arbeiten aus Plexiglas zeigen seine tiefe Begeisterung für Licht und Farbe und sind zugleich Auseinandersetzung mit dem unendlichen Raum.

Dank der Freundschaft mit Max Bill sind nach dem Tod Vantongerloos nicht nur der künstlerische Nachlass, sondern auch das umfangreiche Archiv seiner Dokumente und Schriften erhalten geblieben.

 


Zur Kooperation
 

Im Jahr 2006 konnte die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg ein Schlüsselwerk Vantongerloos von Dr. Angela Thomas Schmid erwerben. Der Ankauf des architektonisch und funktional bis ins Detail durchdachten Doppelplastik „Flughafen mit Armatur: Typ  A, Serie A“ von 1928, die sowohl thematisch als auch formal bis in die 1930er Jahre hinein im Werk des Künstlers verschiedene Mutationen durchlief, zählt seitdem zu einem Schlüsselwerk der Sammlung Internationaler Skulptur der Moderne. Diese Erwerbung gab den Anstoß für die Planung dieser Retrospektive (nach der von Max Bill 1986 in Berlin und Bottrop organisierten), wobei das Gemeentemuseum Den Haag mit der weltweit umfangreichsten Sammlung der DeStijl-Künstler von Anfang an als Partner gewonnen werden konnte.

 

Den Großteil der Leihgaben erhält das Ausstellungsprojekt dankenswerterweise aus der Sammlung Angela Thomas Schmid und dem Georges-Vantongerloo-Archiv, Zumikon. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Leihgaben aus der Sammlung Chantal und Jakob Bill, Adligenswil. Weitere Leihgaben europäischer Museen und Privatsammlungen ergänzen die Ausstellung, die auch Werke aus den Sammlungen des Lehmbruck Museums und des Gemeentemuseums aufgenommen hat.



Ältere Artikel finden Sie im Archiv.


kommentar Kommentar schreiben
Impressionen
News-Ticker











 
   
0.62 sec. | 19037 Visits