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03.05.2010, 11:00 Uhr | Übersicht | Drucken
Bundesweite Bildungsoffensive von Nöten!
"Bildung darf nicht im politischen Lippenbekenntnis verharren! Ich fordere endlich politischen Mut für eine umfassende Bildungssreform!" sagt Duisburgs Bildungsdezernent Karl Janssen in seinem Eckpunktepapier zur Bildungsoffensive

In kaum einer anderen Zeit hat das Themenfeld Bildung und Ausbildung so im Mittelpunkt bundes- und landespolitischer Diskussionen gestanden wie derzeit. Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg! Mit dieser Grundpositionierung hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr einen bundesweiten Bildungsgipfel durchgeführt. Ferner hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen umfassenden Bericht zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Bedeutsam in dieser Legislaturperiode war auch die von BMBF mitfinanzierte Unesco Weltkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im April 2009 in Bonn. Der deutsche Bildungsgipfel hat gezeigt – Bildung hat Priorität – bundesweit; die Unesco Weltkonferenz hat gezeigt – Bildung hat Priorität – weltweit!


In kaum einer anderen Zeit hat das Themenfeld Bildung und Ausbildung so im Mittelpunkt bundes- und landespolitischer Diskussionen gestanden wie derzeit.
 
Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg! Mit dieser Grundpositionierung hat die Bundesregierung in diesem Jahr einen bundesweiten Bildungsgipfel durchgeführt. Ferner hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen umfassenden Bericht zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Bedeutsam in dieser Legislaturperiode war auch die von BMBF mitfinanzierte Unesco Weltkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im April 2009 in Bonn. Der deutsche Bildungsgipfel hat gezeigt – Bildung hat Priorität – bundesweit; die Unesco Weltkonferenz hat gezeigt – Bildung hat Priorität – weltweit!
 
Bildung wird national und international konzipiert und beschrieben. Bildung unmittelbar findet in erster Linie kommunal statt. Aufsetzend auf den guten Aussagen des Bundesbildungsgipfels müssen unabdingbar kommunalpolitische Konsequenzen folgen.
 
Die Kommunen vor Ort müssen gestärkt aus der Wirtschafts- und Finanzkrise hervorgehen! Deshalb sind die Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Forschung die richtigen Impulse für Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Ein modernes und funktionierendes Bildungswesen ist von zentraler Bedeutung für die örtliche Struktur und Wirtschaftsentwicklung. Bildung ist Aufgabe kommunaler Daseinsvorsorge und muss zur Teilhabe am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben führen.
 
In unseren Gemeinden, Städten und Landkreisen werden mit frühkindlicher Bildung und Erziehung die Grundlagen gelegt. Sie müssen geeignete und zukunftsfähige Räume des Lernens schaffen. Durch Weiterbildungsangebote und Initiativen zu mehr Ausbildung werden neue Chancen eröffnet.
 
Die Kommunen vor Ort müssen aber auch mit den Folgen verpasster Bildungschancen umgehen. Die Antworten können in Zukunft nicht nur sozialpolitischer Natur sein. Die Kommunen vor Ort wollen präventiv vorbeugen, sich einmischen und mehr Verantwortung für das Bildungswesen übernehmen.
 
Die in dem Bereich Bildung getätigten Investitionen behalten, wie andere Investitionen in der Volkswirtschaft, keineswegs uneingeschränkt ihren Wert. Infrastruktur nutzt sich ab – Wissen veraltet – Kompetenzen weichen auf – Ausbildung und Qualifizierung ohne Anwendungschance verpuffen.
Wir müssen die Lehren aus den internationalen Vergleichsstudien und den Befunden zur Demografie, Migration und Segregation ziehen. Die Antwort heißt für uns nicht mehr Zentralismus, mehr Bürokratie und weniger Selbstverantwortung. Richtige Antwort heißt: Kommunale Verantwortung, im Rahmen der Bedingungen einer unabdingbaren Konnexität unter Beachtung der fachlichen Verantwortung kommunaler Institutionen und insbesondere der erzieherischen Verantwortung der Eltern.
Wie können die handelnden Ebenen, Institutionen und Akteure vor Ort besser zusammenarbeiten? Wie gelingt es, mehr Entscheidungen vor Ort zu treffen? Wie muss Bildung in Zukunft organisiert werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein ganzheitliches Konzept von Bildung in der Region zu erarbeiten und umzusetzen?
 
 
Ausgangslage
 
 
Spätestens seit der „Pisa- Studie“ hat das Thema Bildung Konjunktur. So war es auch nicht verwunderlich, dass der 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung das Thema Bildung im Fokus hatte. Der Bildungsgipfel des Bundes und der Länder hat erstmalig bundesweite Standards und Anforderungen formuliert. Hierbei handelt es sich um folgende wesentliche Aussagen:
 
 
·             Aufstieg durch Bildung
·             bessere Bildung von Anfang an
·             Sprache als Schlüssel zur Bildung
·             Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer
·             mehr Ausbildungschancen für Schülerinnen und Schüler
·             berufliche Bildung und Qualifizierung stärken
·             akademische Bildung für die Innovationskraft Deutschlands sichern
·             lebenslanges Lernen vermitteln und stärken
·             unternehmerische Verantwortung für die Ausbildung und Weiterqualifizierung von Fachkräften
·             Bildung, Ausbildung und Qualifizierung in der bundesstaatlichen Ordnung
·             Bildung soll in Deutschland höchste Priorität haben
·             jedes Kind soll bestmögliche Startbedingungen haben
·             jeder soll ein Schul- und Berufsabschluss schaffen können
·             jede und jeder soll die Chance zum Aufstieg durch Bildung haben
·             mehr junge Menschen sollen ein Studium aufnehmen
·             mehr Menschen sollen für naturwissenschaftliche, technische Berufe begeistert werden
·             mehr Menschen sollen die Möglichkeit zur Weiterbildung nutzen.
 
 
Die Aussagen des Bildungsgipfels und die dort formulierten Anforderungen sind aus meiner Sicht uneingeschränkt zu unterstützen. Sie bilden auch für die Kommunen eine Hilfestellung und Unterstützung für eine zeitgemäße, richtungsweisende bildungspolitische Debatte vor Ort. Für die kommunalen Anforderungen greifen die Aussagen aber zu kurz. Die kommunalen Spitzenverbände und die Kommunen selbst waren nicht unmittelbar am bundesweiten Bildungsgipfel beteiligt. Es ist es unabdingbar erforderlich, die kommunalen Sichtweisen und die damit verbundenen Anforderungen und Standards für die Städte und Kreise vor Ort zu formulieren.
 
Bildung findet konkret in den Städten, Gemeinden und Kreisen statt und braucht dort dringend regional passende Antworten und Programme.
 
Bildung umfassend betrachtet konzentriert sich nicht ausschließlich auf den Schulbereich. Bildung umfassend betrachtet bezieht insbesondere die frühkindliche Bildung in Übergang von Schule zum Beruf – Ausbildung – aber auch Familienbildung und Erwachsenenbildung bis ins Seniorenalter ein.
 
Gerade die bildungspolitische Debatte für den frühkindlichen Bereich hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Qualitätssteigerung dieses wichtigen gesellschaftspolitischen Feldes geführt. Der frühkindliche Bereich, der bislang eher auf den Inhalt Betreuung reduziert war, bezieht jetzt neben der Betreuung ebenso die Felder Bildung und Erziehung ein. Der Dreiklang von Bildung, Erziehung und Betreuung in der frühkindlichen Entwicklung muss bildungspolitischer Standart sein. Dieser Qualitätsanspruch muss insbesondere in allen Kindergartengesetzen der Länder verbindlich Verankerung finden.
 
Wenn es ein neues Bildungssystem in Deutschland geben soll dann reichen Leistungsverdichtungen, Lehrerzahlerhöhungen und schlaue Bildungskonzepte alleine nicht aus! Die demografischen Entwicklungen, die stark veränderten Familienbilder und insbesondere die Lebens- und Aufwachsbedingungen unserer Kinder und Jugendlichen erfordern neue kommunale Bildungsprogramme und verbindlichere Strukturen vor Ort.
 
Wer Bildung sagt, sollte nicht nur Schule meinen!
 
Bildung im umfassenden Sinn verstanden bedeutet:
 
-        lebensbegleitendes Lernen
-        ganzheitlicher Entwicklungsprozess
-        Erweiterung der geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten
-        Erweiterung der personalen und sozialen Kompetenzen
-        Erwerb von formellen Wissen aber auch Erwerb von verwertbaren Abschlüssen.
 
Zur Erhöhung der Schaffung eines kommunalen Bildungsnährwertes!

 
Bildungsnährwert für Kinder und Jugendliche
 
-         die Erhöhung der individuellen Teilhabe und Entfaltungschancen in den kommunalen Bildungsinstitutionen
-         die Erhöhung der Zahl der qualifizierten Schulabschlüsse
-         die Minimierung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss
-         die Minimierung der Zahl der abgeschulten Schülerinnen und Schüler
-         die Verbesserung der Qualität des Unterrichtes.
 
 
Bildungsnährwert für Eltern und Erziehungsberichtigte
 
-        die weitere Stärkung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Kommunalpolitik
-        konkrete und aktive Unterstützungs- und Hilfsangebote für Familien um diese bei der individuellen Förderung ihrer Kinder zu stärken
-        die kommunalpolitische Stärkung des partnerschaftlichen Zusammenwirkens von Bildungsinstitutionen und Elternhaus.
 
 
Bildungsnährwert für die Bürgerinnen und Bürger
 
-        die Schaffung und das Vorhalten von bedarfs- und nachfrageorientierten Bildungsangeboten
-        die Verbesserung und die Erhöhung der Zugangsmöglichkeiten zu kommunalen Bildungsangeboten
-        die Verbesserung und bürgerorientierte Service- und Beratungsqualität in den kommunalen Bildungsinstitutionen.
 
 
Subsidiarität verwirklichen
 
Dem Bildungswesen in Deutschland muss es durch die Koordinierung über die Kulturministerkonferenz in Zukunft noch besser gelingen, das notwendige Maß an Einheitlichkeit und damit die Voraussetzungen für die notwendige Mobilität der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Die Länder haben verbindliche Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und Bildungsmonitoren auf den Weg gebracht.
Als Ergebnis der Föderalismusreform I. wurde die Bildung im Hoheitsbereich der Länder klar zugeordnet. Die Bürgerinnen und Bürger können eindeutig erkennen, wer für erfolgreiche oder fehlerhafte Bildungspolitik verantwortlich ist und dementsprechend ihre Wahlentscheidungen treffen. Der Wettbewerb um das beste Bildungssystem muss die Landesparlamente und Landesregierungen anspornen zu diskutieren, wie erfolgreich vor Ort zum Wohle der Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Weiterbildungswilligen eine Bildungsinfrastruktur erhalten bzw. ausgebaut werden kann.
Auch hier das Subsidiaritätsprinzip greifen! Freie Träger und kommunale Einrichtungen sind leistungsfähig im vorschulischen Bereich – warum nicht auch im Bereich der Grundschule? Freie Träger und kommunale Einrichtungen sind effizient im Weiterbildungsbereich – warum nicht auch im schulischen Bereich?
 
Wenn Bildung vor Ort in den Kommunen stattfindet, dann müssen auch die Kommunen den bildungspolitischen „Hut aufhaben“!
 
Hierfür ist die eindeutige „Kommunalisierung von Schule unter fairen Bedingungen der Konnexität von Nöten. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die kommunal stattfindet.
 
Die Zusammenführung von Kompetenzen und Zuständigkeiten zu kommunalen Bildungsregionen und -landschaften und die Schaffung einer rechtsverbindlichen Basis der Kooperationen zwischen Bund, Ländern und Kommunen sind umzusetzen.
  
Kommunale Bildungslandschaften
 
Die Dualität der Schul- und Bildungsverantwortung (Land und Kommune) hat sich vollkommen überlebt und eine aktive kommunale Bildungspolitik eher verhindert.
 
Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die kommunal stattfindet. Auf der Basis dieses Hintergrundes müssen zukünftige Zuständigkeitsverlagerungen auf die Kommunen im Rahmen einer Konnexität und in einem eindeutigen Finanzausgleich von Bund und Ländern auf die Kommunen gesichert werden.
 
Ich vertrete die Auffassung, dass Bund und Länder zukünftig ausschließlich für die Festlegung von Standards und Grundlagen im Rahmen von Gesetzgebung und Konnexität zuständig sein sollten.
 
Wir brauchen eine schrittweise Kommunalisierung der Schul- und Bildungsverantwortung. Hierbei sollte zunächst die Zusammenführung des Elementarbereiches mit der Grundschule Vorrang haben.
 
Bildung von Anfang an
 
Der Ausbau von Kindertageseinrichtungen bis zum Jahre 2013 für bundesweit 35% der unter 3-Jährigen ist eines der wichtigsten politischen Vorhaben in Deutschland. Mit Verabschiedung des Kinderförderungsgesetzes (KiföG) wurde neben dem quantitativen Ausbau auch die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Betreuung ab dem 1. Lebensjahr gesetzlich verankert. Dieser verpflichtet die Länder, im Wege der Konexitätsregelungen in den Ländern, die den Kommunen zur Erfüllung des Rechtsanspruchs entstehenden zusätzlichen Kosten auszugleichen. Aber gerade die Weiterentwicklung der Qualität der Kinderbetreuung muss stärker in den Focus genommen werden. Hinsichtlich der Finanzierung frühkindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung werden neue Verteilungskämpfe geführt; etwa um künftige Ausbildungsanforderungen und Vergütung der Erzieherinnen und Erzieher, um Personalschlüssel und adäquate Gruppengrößen.
Die Aufgabenträgerschaft für die Bildung von Kindern im vorschulischen Bereich und im schulischen Bereich fällt zwischen Kommunen und Ländern auseinander. Dies führt zu Problemen der Bildungskonzepte und des Übergangs vom Elementar- zum Grundschulbereich. Was spricht also gegen die Zusammenführung der inhaltlichen und organisatorischen Verantwortung in kommunaler Hand? Nichts!
 
 
In vielen Städten gibt es Ansätze und bereits umgesetzte Maßnahmen zur stärkeren Vernetzung der vielfältigen Bildungsangebote sowie der bisher häufig isoliert arbeitendenden Bereiche der Bildung. Beispiele sind der Ausbau von Ganztagsschulen bzw. Angebote durch Kooperationen der Schulen mit anderen Partnern, die integrierte Jugendhilfe und Schulentwicklungsplanung oder die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Institutionen bei den Übergängen im Bildungssystem. Als Begriff für entsprechende Konzepte hat sich die „Kommunale Bildungslandschaft“ im Sinne eines vernetzten Systems von Erziehung, Bildung und Betreuung kommunal stärker etabliert. Die Länder sind aufgefordert, entsprechende Aktivitäten der Städte und Gemeinden zu unterstützen.
 
Die Kommunen müssen sich für diesen Zusammenführungsprozess als starke Bildungspartner vor Ort aufzustellen.
 
Hierzu sind nachfolgende Umsetzungen vor Ort erforderlich:
 
·             Organisatorische Zusammenführung aller kommunalen Bildungseinrichtungen vor Ort (z. B. Schulverwaltung, Musikschule, Volkshochschule, Bildungsberatung, Bibliothek, Ganztagsangebote, Schulkinderbetreuung, schulpsychologische Beratungsstellen, Sprachförderung, Tagesbetreuung für Kinder usw.) in ein Bildungsamt, Amt für Bildung im Sinne eines kommunalen Bildungsnetzwerkes (Holding)

 
·             Der Ausbau einer kommunalen Bildungsplanung und die Vernetzung mit anderen Planungsbereichen - insbesondere mit der Jugendhilfeplanung

 
·             Die Gründung regionaler Bildungsräte als Beratungs- und Planungsplattformen kommunaler Bildungsinstitutionen mit den nichtstädtischen Institutionen (z. B. Arbeitsämter, Familienbildungsstädten, Schulformsprecher usw.)

 
·             Der Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagements

 
·             Die Entwicklung eines kommunalen Bildungsmonitorringssystems als Grundlage für eine kontinuierliche Bildungsberichterstattung
·             Die Übernahme staatlich kommunaler Verantwortungsgemeinschaft im Rahmen schulische Vertragsvereinbarungen zwischen Ländern und Kommunen müssen die Voraussetzung für ein kommunales Bildungsmonitorring sicherstellen. Eine erfolgreiche Steuerung und Gestaltung des kommunalen Bildungswesens erfordert eine valide Daten- und Indikatorengrundlage. Hierbei reicht eine reine Datenerfassung oder auch vielerorts übliche Schulentwicklungsplanung nicht mehr aus. Ein qualifiziertes kommunales Bildungsmonitorring sichert zukünftig eine umfassende Bildungsplanung für die jeweilige Kommune
 
·             Aufbau einer kommunalen Bildungsberatung im Rahmen einer Einrichtung eines Zentrums für Bildungs- und Lernberatung.
Bildungsberatung umfasst alle biografischen Stationen von Bildung, Bildungsanlässen und Übergängen sowie Lernberatung und Kompetenzfeststellung. Sie bezieht vorhandene Beratungsstrukturen ein, wie z. B. Kindertagesstätten, Familienzentren, Primarschulen, weiterführende Schulen, Kammern, Arbeitsagenturen (ARGEn), kommunale Beratungsstellen (z. B. für Existenzgründer/innen oder Wiedereinsteiger/innen usw.). Als zentrale, kommunale Informations- und Beratungsstellen sollten die Kommunen Zentren für Bildungs- und Lernberatung aufbauen damit den Kindern und Jugendlichen, Bürgerinnen und Bürgern Netzwerke zur Weiterbildungsberatung zur Verfügung stehen, und insbesondere bildungsfernen Menschen der Zugang zu Bildungsinstitutionen und Programmen leichter ermöglicht wird.
 
·             Bereitstellung eines qualitativ hochwertigen kommunalen Bildungsangebotes unter den Herausforderungen des demografischen Wandels
 
·             die inhaltliche Einbindung und Vernetzung von Familienzentren, Familienbildungsstätten und anderen Bildungseinrichtungen.
 
 
Unternehmen Schule
 
Im Rahmen der schrittweisen Kommunalisierung sollten die Schulen vor Ort ein Selbstverständnis wie kommunale „Unternehmen“ entwickeln.
Schulen sind geschlossene Systeme, die für eine erfolgreiche Arbeit eindeutige Zuständigkeiten und Kompetenzen haben müssen. Der Schulleiter einer Schule führt einen „Betrieb“ in mittelständischer Größenordnung. Zu einem solchen Unternehmensverständnis, wenn auch im Non-Profit-Bereich, gehört die Fach- und Ressourcenverantwortung, einschließlich der Personalverantwortung, in die Hand der Schulleitung.
Es ist unzeitgemäß und auch betriebswirtschaftlich nicht darstellbar, dass Schulleitungen heute für den Lehrinhalt zuständig sind, in enger Anbindung mit der Schulaufsicht, Personalkompetenzen gegenüber der Lehrerschaft haben, keine Personalhoheit i. d. R. über ihnen zugestellte Sekretärinnen und Hausmeister haben und in der Bereitstellung ihrer Schulgebäude baulich und in der Ausstattung häufig in einer Bitstellerfunktion gegenüber der jeweiligen Kommune sind.
Wir brauchen die Einführung einer Fach- und Ressourcenverantwortung einschließlich der Personalverantwortung für die Schulen in die Hand der jeweiligen Schulleitungen. Für diese Aufgaben müssen die Schulleitungen in Betriebs- und Personalführung aus- und fortgebildet werden und auch eine Anpassung ihrer Vergütung erfahren.
 
Echter Ganztag
 
Die Einführung der Ganztagsbetreuung an Schulen war in vielen Bundesländern der richtige, erste Schritt. Leider reduziert sich in vielen Schulen dieses System auf Schule am Vormittag und Betreuung am Nachmittag. Wir brauchen endlich die Einführung des „echten Ganztags“!
Hierzu gehört insbesondere:
 
·             Unterricht und Betreuung im Wechselspiel ganztags gemessen an den Bedarfslagen der Kinder und Jugendlichen
·             verstärkte Unterstützung schwächerer Kinder und Jugendlicher
·             Ganztagspräsenz der Lehrkräfte an der Schule
·             Klassenraumzuständigkeit für jeden Lehrer (Arbeitsraum)
·             Sekretariatskräfte und Hausmeister ganztags an jeder Schule.
 
 
Vernetzung Elementarbereich und Grundschule
 
Es ist dringend erforderlich, dass die Zusammenarbeit der Tageseinrichtungen für Kinder mit den Grundschulen eine verbindliche Basis erfährt. Die Kommunen haben sicherzustellen, dass im Rahmen der Kommunalisierung beide Bereiche unter einem Dach verantwortet werden.
Es ist für unabdingbar erforderlich, dass die Fachkräfte beider Systeme zukünftig sozialraumbezogen, regelmäßige Kooperationen sicherstellen.
Gerade der Übergang vom Kindergarten in die Schule muss kindgemäß flexibilisiert werden. Hier müssen die Systeme weiche, kindgemäße Übergänge entwickeln.
Die Gesetzgeber müssen die erforderlichen Grundlagen  schaffen, dass die Systeme frühkindliche Bildung und Erziehung und Grundschule kommunal zusammengeführt werden können.
 
 
Integration und Migration
 
Die Migrationsanteile steigen insbesondere in den jüngsten Altersgruppen der Kinder weiter. Insbesondere in Ballungsräumen ist Migrationshintergrund und Bildungsferne häufig zu beobachten.
 
Wir brauchen flächendeckend die frühzeitig einsetzende und integrierte Sprachförderung. Sprachförderung darf keine freiwillige Aufgabe sein. Sprache ist insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund der Schlüssel für einen zukünftigen Lebenserfolg.
Integrationshilfen und weitere Förderangebote müssen nach Bedarf und nicht nach Staatsbürgerschaft erfolgen. Hierbei ist es unabdingbar, dass in die zu entwickelnden Integrationskonzepte die Eltern einbezogen werden. Sprachförderung ist nur erfolgreich über den Schlüssel der Muttersprache.
Ich vertrete  die Auffassung, dass gerade kommunal Expertenkompetenzen in die jeweiligen Themen und Arbeitsfelder zu integrieren sind.
 
Zauberwaffe Schulsozialarbeit

Vielerorts wird verstärkt die Forderung nach Schulsozialarbeitern und psychologischen Fachkräften immer lauter. Die Schulen und Lehrer fühlen sich in der Zuständigkeit der Wissensvermittlung auf der einen Seite und der steigenden Anzahl „schwieriger Kinder und Jugendlicher“ auf der anderen Seite überfordert.
Sozialarbeiter sind keine Zauberwaffe und sollten auch nicht in eine nicht zu leistende Fachposition gestellt werden!
Wir müssen uns  für integrierte, sozialarbeiterische Kompetenzen einsetzen. Hierzu muss sich dringend die Lehrerausbildung verändern, die Klassenstärken, insbesondere in den ersten Schuljahren, gesenkt werden und passgenaue Hilfe integral im Unterricht der Ganztagsschule möglich werden.
 
Schule und Erziehungshilfe
 
Häufig wird zu einseitig über die sog. Kooperation von Schule und Jugendhilfe geredet. Diese Diskussion ist seit Jahren fehlgeleitet! Hier drückt der Schuh nicht! Mit den veränderten familialen Gesellschaftsbedingungen sind eher Kooperationen im Feld der Erziehungshilfe und nicht allgemein der Jugendhilfe gefragt und notwendig.
 
Die Kommunen und freien Träger der Jugendhilfe müssen die Angebote der sozialen Hilfen, insbesondere des sog. „Allgemeinen Sozialen Dienstes“ (ASD) sozialräumlich und wohnortnah bereitzustellen!
 
Zwischen Schulen und Jugendämtern muss es hier eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit geben. Hierzu gehört die Präsenz von Erziehungshilfefachkräften in Schule unmittelbar. Eine aktive gemeinsame Elternarbeit von Schule und Erziehungshilfe und eine gesetzliche Standardfestlegung kommunaler sozialer Dienste.
 
Übergang Schule und Beruf  - Bildungsübergang 
Bildungsübergänge gibt es im Verlauf jeder Biografie an verschiedenen Stellen, die individuell von jungen Menschen zu bewältigen bzw. zu gestalten sind.
 
Hierfür ist erforderlich:
 
·             die Unterstützung bei der Elternbildung
·             der Aufbau eines kommunalen Übergangsmanagements
·             Bereitstellung kommunaler Bildungsberatung und individuelle Fachberatungsunterstützung
·             die verbindliche Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen
·             die Entwicklung von Kooperationsstrukturen mit Wirtschaftsunternehmen, Unternehmensverbänden und Kammern
·             der Aufbau regionaler Netzwerke zur Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf und von Schule und Wirtschaft unmittelbar.
 
Forschung, Lehrerausbildung und Qualifizierung
 
Forschung und Lehre an Hochschulen, Universitäten und Forschungsstätten zur Bildung und Förderung im frühen Kindesalter haben für die Kleinkinderziehung einen besonderen Stellenwert. In Deutschland werden diese Aufgaben aber bisher stark vernachlässigt.
 
Wir brauchen den Einsatz von Finanzmitteln für die Grundlagenforschung sowie wie Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Frühpädagogik.
 
Die Lehrerausbildung in Deutschland muss grundlegend reformiert werden!
Das Fachstudium ist viel zu wissenschaftlich, viel zu praxisfern. Das pädagogische Schmalspurstudium zu dürftig, zu beliebig und zu theoretisch.
Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer müssen verstärkter lernen, wie Wissen vermittelt wird. Hierzu brauchen sie sozialpädagogische Grundkenntnisse und Qualifikationen. Vor Beginn eines Lehrerstudiums muss geklärt werden, ob man für den Beruf die erforderlichen Schlüsselkompetenzen mitbringt. Die in vielen Ländern und Universitäten mathematischen Aussiebverfahren sind das falsche Mittel für eine erfolgreiche Lehrerausbildung. Die Integration ausreichender Praxistests in das Studium für die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer muss sichergestellt werden..
 
Die weitere Qualifizierung der Lehrerausbildung kann aufgrund seiner Umfänglichkeit nur stufenweise über einen längeren Zeitraum gesichert werden. Ich vertrete die Auffassung, dass die Kommunen, durch die Finanzierung der Bundesländer, für die Übergangszeit für ortsnahe, ausreichende Nachqualifizierungen sorgen müssen.
 
 
Lehrer, Erzieher und Sozialpädagoge wird man aus Berufung weil man die Anlagen eines Pädagogen hat und Spaß und Freude an der Entwicklung und Förderung von jungen Menschen hat!
 
Wenn Bildung in Deutschland erste Priorität haben soll, dann müssen jetzt nach den langen Jahren der Bereitstellung von breiten Bildungsuntersuchungen und Entwicklungen von Konzepten konkrete Programme auf kommunaler Ebene greifen. Die Gesetzgeber in Bund und Ländern aber auch die politisch verantwortlichen in den Kommunen müssen  ihr bildungspolitisches Engagement aktiv verstärken. Hierbei sind unabdingbar und zuverlässig die Regeln der Konexität und Verteilung der Finanzlasten zu beachten. Bildung ist ein gesamtpolitisches Thema auf kommunaler Ebene. Bund und Länder sind gefordert, die Kommunen in ausreichender Weise finanziell auszustatten mit den Bildungsanforderungen für unsere Kinder und Jugendlichen zukünftig besser gelingen.
 
 
 


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